Unter K├╝hen und ... Schafen

Veröffentlicht von Administrator (admin) am Aug 06 2012
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Ich glaube jeder, der einen Border Collie hat, möchte gerne wissen, ob sein Hund sich auch für die Arbeit an Schafen eignet. So ging es auch mir. Außerdem hatte ich den Gedanken, dass Hüten vielleicht eine schöne Abwechslung zum Obedience sein könnte, genauso wie manche Besitzer von Apportierhunden Dummyarbeit ‚nebenher‘ machen. Da ich selber gar keine Erfahrungen hinsichtlich des Hütens habe, dachte ich mir, es wäre gut ein paar Einführungsstunden bei einem Profi zu nehmen. Danach wäre es vielleicht möglich zu einer der Hüte-Möglichkeiten in meiner Nähe zu gehen und dort weiter zu trainieren. Auf der Messe in Dortmund hatte ich Kontakt zu Marina Kersten bekommen, die dort mit ihren Border Collies Hüte-Vorführung machte. Marina hat einen Bauernhof in der Altmark auf dem sie auch eine Ferienwohnung vermietet.

Ferien-Wohnung     Unser Zuhause auf Zeit

Also ging es am Sonntag, den 29.07., einen Tag nach Zacs BH, in die Altmark. Wir wurden sehr herzlich empfangen. Die Ferienwohnung ist sehr gemütlich und mit zahlreichen Kuh-Assecoirs sehr liebevoll ausgestattet. Hinter dem Hof kann man direkt mit den Hunden spazieren gehen. Die Altmark ist ein flacher Landstrich in Sachen-Anhalt, den man sehr gut mit dem Fahrrad erkunden kann. Ein nahe gelegener, gärtnerisch sehr schön gestalteter Märchenpark ist ein Muss für alle Kleinen und hat unserer Katlin sehr gut gefallen.

FaceToFace mit einem Zwerg     Face-To-Face mit einem Zwerg 

    

Salzwedel         Salzwedel

Des Weiteren gibt es wunderschöne Fachwerkhäuser in der Hansestadt Salzwedel zu sehen. Eine Bootsfahrt auf dem, auch am sonnigen Wochenende nicht überlaufenen Arendsee rundete unseren Besuch ab. Am nächsten Tag durften wir direkt beim Kälbchen- und Schweinefüttern mithelfen und bekamen Alles rund um das Melken der Kühe gezeigt. Hier bekommt man ein ganz neues Verhältnis zur Milch, wenn man sieht mit wie viel Arbeit das Ganze verbunden ist.

Unter Kühen    Unter Kühen

 

Laufenten   Laufenten

Am Montag durfte Zac dann auch das 1. Mal an die Schafe. Zuerst sollte ich mit dem unangleinten Zac ganz ruhig ohne etwas zu sagen auf die Schafe zugehen. Zac war zunächst etwas verunsichert und fing an zu bellen. Dann traute er sich immer näher an die Schafe heran. Ich nahm ihn wieder weg von den Schafen, damit diese für das weitere Training in ein rundes Pferch (Zirkel) gebracht werden konnten.

First Contact     First Contact

Nanu, wer seid denn Ihr?     Nanu, wer seid denn Ihr?

Dann sollte ich Zac außerhalb des Zirkelzaunes ablegen. Ich selbst ging in das Pferch zwischen Hund und Schafe. Nun galt es, Zac mal links und mal rechts um das Pferch zirklen zu lassen und zwischendurch immer wieder ins Platz zu legen.

Los geht‘s     Los geht‘s

Runde fast geschafft!      Runde fast geschafft!

Und Stopp!     Und Stopp!

Andere Richtung     Andere Richtung

Eine ganz schön laufintensive Angelegenheit: Auf der Position 12 Uhr neigen nämlich die Hund dazu, zu kippen, d.h. den Kreis nicht fortzusetzen sondern die Richtung zu wechseln. Man muss dem Hund dann gut helfen. Dabei muss man den Hund im Auge behalten, aufpassen, dass man nicht über die Schafe stolpert und noch einen eindeutige Körpersprache zeigen. Und obendrauf noch möglichst ruhig und ohne zu starken Druck arbeiten. Das alles unter einen Hut zu kriegen, ging deutlich über meine Fähigkeiten hinaus ;-)

KippenDroht     Kippen droht!

Kippen verhindert!   Kippen verhindert!

In den nächsten Trainingseinheiten ging es dann ohne Schutzzaun direkt an die Schafe. Dies erhöhte bei mir noch mal ganz erheblich den Adrenalinpegel, da Zac sehr nah an den Schafen arbeitete und auch immer mal wieder versuchte direkt an die ‚Beute‘ zu kommen und den gewünschten Kreis zu verlassen. Da er die erforderliche Distanz zu den Schafen nicht einhielt, waren diese auch ständig in Bewegung. Dadurch war es für mich noch schwieriger die richte Position für mich zu finden, zumal ich ständig befürchte von der langen Leine, die Zac zur Sicherheit der Schafe trug, umgezogen zu werden. Nun, es ist keinen Schaf etwas passiert, Zac hat eine Schaf-Attacke überstanden, bei der mein Herz fast stehen lief, die er aber ganz locker abschüttelte und ich habe es auch immer wieder geschafft, ihn zu stoppen. Einige wenige schöne Komplett-Umrundung sind uns auch geglückt :-)

Ohne Netz und doppelten Boden   Ohne Netz und doppelten Boden

Platz ganz dicht an der Beute: Gut gemacht!

Platz ganz dicht an der 'Beute': Gut gemacht!

Mir wurde allerdings nach ein paar Tagen klar, wie stark der Beuteanreiz an den Schafen ist, und wie viel mehr Kontrolle über Zac ich beim Hüten brauche. Im Obedience habe ich ihn immer mit leisen Kommandos im Griff, aber hier war es ganz anders! Marina gab mir auch ein Buch über das Training von Hütehunden und mir wurde klar, wie viel Geduld und kleine Schritte auch in diesem Training stecken. Ich hatte zuvor geglaubt, der Abstand und das ‚Schleichen‘ am Vieh wären dem Border Collie so angeboren, dass der Mensch sich nur noch souverän in die Mitte stellen muss und Anweisungen gibt. So sieht es bei den Hüte-Vorführungen doch immer aus oder? ;-) 

Meine Achtung vor den Leuten, die Hunde souverän am Vieh ausbilden, ist immens gestiegen.

Für mich persönlich habe ich entschieden, nicht weiter zu machen. Und zwar aus folgenden Gründen:

- Bisher dürfte Zac immer sofort auf die Beute (Ball, Apportel). Ich haben eine möglichst hemmungslosen Umgang damit und viel Nähe zu mir gefördert. Ein Kommando für ‚Halte Abstand‘ müsste ich völlig neu etablieren. Und ich bin mir nicht sicher, ob mir das im Obedience nicht Nachteile bringen würde.

- Ich habe selber keine Möglichkeit Schafe zu halten und könnte höchstens 1 x die Woche irgendwo hinfahren. Ich selbst bin aber davon überzeugt, dass das keines Falls ausreichen würde, um zumindest kleine Erfolge zu erreichen. Und man muss ja auch an die Schafe denken, die keineswegs immer so hin- und her gescheucht werden wollen.

- Noch kann ich mit Zac direkt vor der Schafweide Obedience machen und zwar mit der gleichen Präzision und Freude, die er auch anderswo zeigt. Vielleicht würde sich das auf Dauer ändern. Insbesondere wenn er durch mein Unvermögen öfter mal etwas Wolle ins Maul bekäme ;-)

- Im Moment zeigt Zac im Obedience gar kein border-typisches Schleichen. Auch dies könnte sich verstärkt ausbilden.

Alles in Allem war es eine sehr erlebnisreiche und erkenntnisreiche Woche. Danke Marina für die vielen Einblicke und dass wir so manches selbst erfahren durften!

Danke an Zac, der mir dieses Erlebnis ermöglichte und mir klar meine Grenzen aufzeigte!

Am Abschluss-Sonntag hat er dann noch eine schöne Obedience-Vorführung beim ansässigen Hundeverein gezeigt, obwohl er sichtlich erschöpft war. Heute, zu Hause, ist er ganz viel am Schlafen, aber eine kleine Obedience-Einheit haben wir schon mal wieder hingelegt...

Zuletzt geändert am: Aug 06 2012 um 5:07 PM

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