Ich hätte ihn knutschen können...

Veröffentlicht von Administrator (admin) am Jun 22 2014
Aktuelle Meldungen >>

Im letzten Blog-Beitrag hatte ich ja beschrieben, dass ich dem Bellproblem nun durch Bestrafung mittels eine Wasserpistole begegnen will. Leider musste ich feststellen, dass das für Zack eher belustigend war: Er spielte mit dem Wasserstrahl. Also musste ich auf etwas anderes umsteigen. Dabei fiel mir im Laden die gute alte Wurfrassel ins Auge und ich entschied mal einen Versuch damit zu starten. Diesmal ein voller Erfolg. Ich brauchte die Rassel nur ein paar Mal dicht neben Zack werfen, wenn er etwas ‚Unerwünschtes‘ tat. Dies sind in erster Linie Bellen und mit dem Spielzeug um mich zu kreisen, wenn ich ihn zum Abgeben auffordere. Ich selber blieb stimm- und körperlich ganz neutral. Zack unterbrach sofort sein Tun und ich wurde sofort überschwänglich freundlich. Es war wirklich erstaunlich wie gut das wirkte. Schließlich reichte ein Rasseln oder allein der Griff an die rechte Hosentasche. Dabei reagierte Zack überhaupt nicht eingeschüchtert, sondern wurde einfach nur folgsam. Ich glaube durch diesen von meiner Stimmung entkoppelten Reiz hat er erst begriffen, was er eigentlich falsch macht. Ähnlich wie einen Clicker kann man nämlich den Einsatz der Rassel sehr genau timen. Durch dieses bessere Verständnis ist der Stress erheblich gesunken und somit auch das Bellen! Schließlich bin ich so weit gegangen durch sehr enthusiastisches Loben ihn so hoch zu puschen, dass er einen Beller wagte => Rassel => er hörte auf zu bellen: Er hat kapiert, dass Bellen falsch ist, aber das hat seine Freude über mein Lob nicht geschmälert sondern viel mehr erst möglich gemacht.
Zack und unser neuer Helfer Boldi (niedeländisch: Bolderkar) Zack und unser neuer Helfer Boldi (niederländisch: Bolderkar, eine Inspiration von unserem letzten Holland-Ausflug)

Schließlich hatten wir noch 2 super Prüfungstrainings beim MV Düsseldorf-Benrath. Vielen Dank Beate, Ulrike und Judit für eure tolle Hilfe und Kritik.
Und dieses Wochenende nur 3 Wochen nach der letzten Katastrophe auf der Landesmeisterschaft hatte ich beim MV Lüttgendortmund II die Möglichkeit unser neues Konzept auf einer Prüfung zu testen.


Resultat:
Die Gruppenübungen waren durchwachsen, aber Zack hat sich zum Ende hin deutlich gesteigert.

Bei den Einzelübungen war er auch viel ruhiger. Gut in der Fußarbeit waren noch Töne, nicht aber am Blitz (wenn er auch leider kein Sitz zeigte) :-)

Ja die Box war belltechnisch noch eine Katastrophe, aber da habe ich schon eine Idee ;-)

Beim Apportieren hat er sich in keinen Gegenstand verbissen und auf ein leises freundliches ‚Aus‘ alles bereitwillig abgegeben. Außerdem saß er ruhig in der Grundstellung.

Beim Richtungsapport hat er zunächst nur das mittlere gesehen (hohes Gras) sich dann aber auf mein Zeichen besonnen (das 1., keine Zusatzzeichen) und ist zum richtigen Apportel gerannt.

Beim Metapport gab es statt des kräftigen Knurrens nur ein leises Winseln.

Zum ersten Mal seit Langen hat er in der Prüfung die Distanzkontrolle gemacht und dabei auch noch so toll, dass es 10 Punkte gab.

Einmal wollte er bellen zwischen den Übungen, aber ich konnte ihn sofort verbal stoppen.

Und mit das Schönste war, dass ich ihn überschwänglich loben konnte und er konnte sich freuen ohne zu bellen!  

Am Ende gab es ein ‚Sehr gut‘ und ein unendliches schönes Gefühl für mich und auch wohl für Zack, der sich bei der Richterbesprechung genüsslich im Gras wälzte (statt Dauer-Zu-Bellen).

Nun nicht nur mein Gefühl war gut, auch Außenstehende, die ihn bei den letzten Prüfungen gesehen hatten, waren erstaunt. Und was habe ich nun anders gemacht?
 

  1. Zack weiß jetzt genau, dass er nicht Bellen soll.
  2. Ich habe so viel Kontrolle über ihn, dass ich das Bellen viel besser stoppen kann.
  3. Ich kann somit mit mehr Zutrauen in die Prüfung gehen. Ich muss Zack nicht ständig oberkontrollieren, sondern kann mich besser auf ihn verlassen.
  4. Dadurch wirke ich für ihn souveräner und er kann mir besser folgen.
  5. Direkt am Tag der Prüfung habe ich nur noch Dinge gemacht, die er gut kann und somit Konflikte vermieden. Sonst habe ich gerade die schwierigen Dinge noch kurz bis vor dem Einlauf trainiert. Das hat uns beide stark verunsichert. Heute gestehe ich ihm auch Fehler zu und akzeptiere seinen derzeitigen Trainingsstand. Am Morgen der Prüfung kann man ja doch keine Wunder mehr erarbeiten.
  6. Ganz wichtig ist es, im Training wie in der Prüfung, Fehler nur kurz ‚bestrafen‘ und dann sofort wieder eine freundlichen, motivierenden Ton anzuschlagen.
     

Ich denke wir sind eine ganzes Stück weiter, aber es liegt auch noch ein steiler Weg vor uns. Das Ziel unserer nächsten Prüfung (BSP) ist, Zack noch ein Bisschen souveräner durch die Prüfung zu führen, so dass er so viel von seinen technischen Fähigkeiten zeigen kann wie möglich. Die letztendlichen Punkte sind dabei zweitrangig.
Vielen Dank dem MV Lütgendortmund II, der es in so kurzer Zeit schaffte nach dem schweren Sturm die Platzanlage wieder prüfungstauglich zu machen. Danke dem Richter Rudolf Bartlang für die faire, Hoffnung gebende Bewertung. Und Dank an Zack, dass er sich so auf mich eingelassen hat. Ich hätte ihn nach der Prüfung knutschen können –
-    und habe es getan.

Zuletzt geändert am: Jun 22 2014 um 7:24 PM

Zurück