Click of Change

Veröffentlicht von Administrator (admin) am Sep 28 2014
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Meine Devise ist immer, dass man nie genug wissen kann. Man muss nicht jede Auffassung komplett teilen, aber man kann aus sehr vielen Meinungen oft einen Teil für sich abziehen. So besuche ich immer gerne Seminare, auch wenn man im Vorhinein nicht immer weiß, was einen erwartet. So flatterte Anfang des Jahres eine Mail mit der Einladung zu einem Seminar zum Thema ‚Lernverhalten des Hundes in Theorie und Praxis‘ in mein Postfach. Da der Ort nicht allzu weit entfernt, entfielen Hotelkosten und ich sagte mir, auch wenn das Seminar Nichts ist, hat man immer noch eine schönes Wochenende mit anderen Hundesportlern. Der Seminarleiter Ralf Kamp (Polizeihauptkommissar, Lehrtrainer und Leistungsrichter im Diensthundewesen) sagte mir zwar nichts und auch über Google gab es wenig zu finden. Irgendwie musste das Ganze aber wohl etwas mit Clickern zu tun haben. Und meine Assoziation zum Clicker sah wie folgt aus.


1.    Unlustige Hunde, die mit betont gefühlsarmen Menschen trainieren. Hunde sehr langsam, Menschen sehr langsam und sehr bedacht! Die Hunde zeigen beim Click keine sichtbare Änderung, man könnte auch sagen sie ignorieren diesen.

2.    Sehr unternehmungslustige Hunde. Ihre Menschen sagen, sie sind durch das freie Formen so toll geworden. Ihre Eigeninitiative bringt sie dazu, in der Prüfung bei dem Kommando ‚Box‘ wild über den Platz zu fegen und alles Mal mit der Nase an zu stuppsen. Und ihre Menschen freuen sich wie Bolle darüber!

Aber trotz dieser Vorurteile beschloss ich, das Seminar zu buchen. Meine Hoffnung war, dass jemand der mit Malinois arbeitet, mir endlich mal bei Zacks Triebproblemen helfen kann.
Und tatsächlich sind mir für einige entscheidende Dinge die Augen geöffnet worden. Ralf setzt den Clicker so ein, dass es danach immer eine Belohnung gibt. Der Clicker ist das absolute Freisignal (Ist also egal was der Hund danach tut, Hauptsache es ist für ihn belohnend.) Der Hundeführer darf sich mit dem Click freuen, d.h. positive Emotionen sind gewollt. Auf Videos konnte man sehen, wie die Hunde z.B. bei der Sucharbeit (Polizei) richtig explodieren beim Click-Signal. Diese Arbeit hat mir sehr gefallen.
Hier die Dinge, die ich für mich mitgenommen habe (und schon am Abend nach dem Seminar begonnen habe umzusetzen):

1.    Click bedeutet nicht ‚Machs du super, mach weiter so‘ (Keep going), sondern das war der perfekte Moment => Hol dir deine Lieblingsbelohnung.

2.    Den Hund im Ektase-Level arbeiten, sondern im Komfort-Level: Niederwertige Belohnung kann manchmal von Vorteil sein (z.B. Futter statt Beute)

3.    Bei der Fußarbeit muss der 1. Schritt super sein, sonst sofort abrechen. Arbeitet man bis der Hund endlich die gewünschte Position hat und super schaut und belohnt dann, so

bestätigt man den ganzen Quatsch von Anfang mit und der Hund denkt, das wäre normal so.

Und das habe ich in meinem Training daraus gemacht.

Zu 1.) Den Hund ‚durchgeclickert‘. D.h. sobald der Click ertönt, darf der Hund seine Position verlassen und zur Bestätigung. Etwas Ähnliches hatte ich zuvor schon in der Übung Box und Abrufen gemacht, wo ich auf das Markerwort ‚Balla‘ hin den Ball geworfen habe und Zack durfte seine Position ohne weiteres Aufheben verlassen. So habe ich in der Box innerhalb einer Übungseinheit das Bellen wegbekommen und beim Abrufen liegt er jetzt viel ruhiger. Die Parallelen zum Click-Frei sind hier sehr groß und bis jetzt hat Zack seine Position niemals vor dem Markerwort verlassen. Ich habe das jetzt auf die Distanzkontrolle ausgeweitet und super Ergebnisse damit.

Zu 2.) Bei der Fußarbeit verwende ich jetzt Lecker und bei Click gehen wir sofort aus der Fußposition und Zack erhält hinter mir das Lecker. Allerdings hat er auch schon mal bei Click sich eine Beute geholt, die am Rand lag. Ist ja aber nicht schlimm, sondern eher ein Zeichen, dass er beginnt den Click wirklich als Freigabe zu sehen.

Zu 3.) Sobald der Hund nicht mehr perfekt läuft (bellt, winselt, vorprellt, nicht hochschaut), breche ich ab. Dabei werde ich aber nicht ungehalten (macht nur Stress) sondern stelle mich so hin, dass Zack nicht in die Fußposition kann. Dann zähle ich im Kopf bis 10 (Unendlich lange Sekunden, für Zack und mich). Dann gibt es eine neue Chance. Auch wenn er vor Apportierübungen oder der Box nicht richtig durchsitzt gibt es 10 Sekunden Unterbrechung. Das wirkt viel besser als den Hund ständig mit ‚Sitzen‘ verbal zu korrigieren.

Zusätzlich machen wir folgende Dinge (durch das Seminar angeregt):
Apport (insbesondere Metallapport): Hier gab es immer Stress mit dem Abgeben, was sich im Knautschen zeigte und beim Metall mit Knurren. Hier schicke ich Zack jetzt nach der Abnahme mit einem Click zu einer externen Bestätigung. Dabei ist eigentlich egal ob Ball, Beißwurst oder anderes. Wichtig ist nur das es dabei eine absolute Party meinerseits gibt. Das gibt der Ersatzbeute die richtige Bedeutung.

Bei jeder Übung muss es im Training das Ziel sein, den Hund mit der Belohnung zu überraschen, indem man immer an ganz unterschiedlichen Stellen belohnt. Z.B. beim Fuß mal nach dem 1.Schritt, mal für das Anschauen, mal nach ein paar Minuten. Da ich jetzt nur immer ein perfektes Fuß-Gehen fortführe, ist das für mich einfacher geworden. Ich brauch nicht zu warten, bis der Hund perfekt ist, sondern kann jederzeit bestätigen.

An meiner Weste habe ich ein gelbes Tuch als Schautarget angebracht. Nun weiß Zack, wohin er bei der Fußarbeit zu Schauen hat. Das hat sich als viel effektiver als das Handtarget erwiesen. Manchmal lasse ich das Tuch schon fast in der Westen-Tasche verschwinden und der gute Kontakt bleibt. Im Training habe ich viel besseren Focus auf mich und Zack prellt erheblich weniger vor. Mit viel Routine hoffe ich das auch auf fremde Plätze und schließlich in die Prüfung tragen zu können.

Übermut Ein zufriedener Zack vor seiner neuen Prüfungsbox

Unsere Punkte

Zwei Wochen machen wir jetzt das Ganze und konnte gestern auf der Prüfung in Velbert-Langenhorst schon unseren 1. Erfolg abholen. Zwar hat er bei der Fußarbeit noch gebellt (war die 1. Übung) aber beim Blitz (Steh, Sitz, Platz aus der Bewegung) war er dann ganz ruhig. Und auch der Rest der Prüfung war schnell und trotzdem gut regelbar. Und beim Metallapport hat er zum 1. Mal keinen Ton gesagt und nur kurz den Kopf leicht gesenkt. Ergebnis war ein schönes V1 mit 275 Punkten. Und wer die Richter kennt (M. Barten, D. Belder) weiß, dass das reell gerichtet war.

Vielen Dank liebes Velberter-Team: Ihr ward super und wir haben uns sehr wohlgefühlt. Heidi hat mir auch noch so eine gute Mannschaft zugewiesen, dass wir auch die Mannschaftswertung gewonnen haben. Danke für diesen gelungen Tag!
 

Zuletzt geändert am: Sep 28 2014 um 8:02 AM

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