Chronik des Bellens

Veröffentlicht von Administrator (admin) am Jun 09 2014
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Ja aktuell haben wir wirklich ein Bell-Problem (?!). Seitdem es auftritt, beschäftige ich mich eigentlich damit, die Ursache und somit eine Lösung zu finden. Aber leider können wir unsere vierbeinigen Partner nicht fragen. Und so bleibt nur, Theorien zu entwickeln, die nie ganz der Realität entsprechen und auch nur durch praktische Versuche bewiesen oder widerlegt werden können. Nun handelt es sich in der ‚Erziehung‘ selten um Versuche, die sofort ein sichtbares Ergebnis liefern und so kann alles schon mal sehr langwierig werden.
Mittlerweile glaube ich aber, so viele Erfahrungen gemacht zu haben, dass es sich mal lohnt alles genau protokollieren, von den Anfängen bis jetzt. Ob meine daraus gezogenen Schlüsse richtig sind, wird sich leider erst in einigen Monaten zeigen ;-)
Wie alles begann:
Als Zack ganz klein war, hat nur dann gebellt, wenn er etwas Neues lernen sollte und nicht genau wusste, wie es gemeint war. Dass war aber selten bei Obedience-Übungen der Fall, sondern eher bei Tricks. Ich glaube es lag daran, dass ich diese nicht so wichtig nahm und daher beim Aufbau nicht in so kleinen Schritten vorging.

Die 1. Steigerung


Mit ca. 1 Jahr sollte Zack einen Team-Test machen. Dieser bringt zwar ‚sportlich‘ Nichts, ich wollte ihn aber schon mal Prüfungsluft schnuppern lassen. Da in unserem Verein kein Team-Test angeboten wurde, suchten wir uns einen anderen Verein hierfür und fuhren einmal zum Training dorthin. Hier war das Training nun so viel anders als Zack gewohnt war: Normalerweise trainierte ich mit viel Spiel und Spaß. Eigentlich waren wir beide die ganze Zeit in Bewegung. Zack war gut zwischen Arbeits- und Spielphasen hin- und her zu schalten. Genaugenommen gab es wohl für ihn keinen Unterschied dazwischen. In dem fremden Verein nun aber gingen ganz viele Hunde gleichzeitig auf den Platz, es gab gaaaanz laaaange Wartezeiten bis man als Einzelteam etwas arbeiten konnte. Zack wollte aber arbeiten, sobald er den Platz betrat: Aus Frust bellte er. Und ich? Nun es schauten viele Leute zu, man musste ganz lieb zu dem Hund sein, höchstens ein verbales „Lass das!“. Das war aber zu un-eindeutig für Zack. Vielleicht dachte er sogar: „Ach Mami bellt! Da muss ich mithalten! “. Nach der Übungsstunde beschloss ich, dass dieses Training uns beiden nicht gut tut. Wir trainierten in einem anderen Verein für den Team-Test und machten auch dort die Prüfung. Auf dem Platz war alles super. Schließlich konnte Zack hier die ganze Zeit durcharbeite. Aber der Außenteil war für uns schon eine starke Probe, die wir auch nicht ganz lautlos schafften.
 

Die 2. Steigerung: Ausstellung

Ja an die Ausstellungen, die wir ja für die Körung brauchten, habe ich eine ganz schlechte Erinnerung! Zack zum untätigen Stehen im Ring verurteilt, wurde doch sehr laut. Gut, Einwirken darf man als Hundeführer nicht, es schauen ja so viele zu (s. o.). Ein ständiges Abfüttern half uns die Zeit zu überstehen. Aber Zack wurde ja so auf der einen Seite für sein Verhalten noch belohnt und auf der anderen Seite konnte er nicht das tun, was er wirklich wollte: Mal so richtig arbeiten!
 

Das Problem tritt im Obedience auf


Auf den ersten Obedience-Prüfungen tauchte dann auch das Bellen auf: Zwischen den Übungen und bei der Richterbesprechung. Alle sprachen von einem jungen, temperamentvollen Hund und dass sich das mit der Zeit legen würde. Ich wollte das gerne glauben, zumal die Prüfungen punktemäßig top waren. Doch hatte ich tief in mir ein ungutes Gefühl ...
 

Ich will eine Lösung

Nachdem die Bundessieger 2013 in der Klasse 2 aufgrund von Zacks Übererregtheit in meinen Augen völlig misslungen war, suchte ich noch intensiver nach einer Lösung unseres Nervenproblems. Ich meldete uns bei einem Seminar mit den Finnen Riitta und Pekka Jantunen Korri (Tending Border Collies) im September an. Von ihnen erhoffte ich mir Hilfe, denn schließlich hatten sie ja schon lange mit verrückten Border Collies zu tun! Leider war das Seminar nicht so individuell wie erwartet. Bis auf ein paar Tipps wurde mein Bellproblem nicht richtig bearbeitet. Der Haupttipp war: So gut wie gar nicht mehr den Hund mit Lecker oder Spielzeug bestätigen, nur noch verbales Lob. Außerdem sollte man so oft wie möglich wie in der Prüfung trainieren. Ich war zuversichtlich: diese Leute mussten es doch wissen! Ich stellte mein Training um. Resultat war aber, dass Zack nur noch Frust hatte. Sogar im Training wurde er nun laut. Die Vorführung in Dortmund im Oktober war in meine Augen ein einziges Fiasko. So konnte es nicht weitergehen! Ich fing wieder an, wie gewohnt zu bestätigen. Das Training zuhause wurde wieder entspannter, auf dem Vereinsgelände blieb es laut und stressig. Besonders dann wenn ich Prüfungstraining mit ‚Steward‘ absolvierte.
Auch einige Bücher über Impulskontrolle, aus denen wir Übungen in unser Training integrierten, brachten keinen Erfolg.
 

Das Problem wird größer

Nun wurde es auch auf den Prüfungen immer schwerer. Schon beim Ringbetreten suchte Zack sich eine oder mehrere Übungen mit den Augen aus (Hürde, Apportel, Box) und war dann kaum noch richtig auf das gerade Anstehende zu konzentrieren. Ich hatte richtig Stress, da ich immer damit rechnen musste, dass er zu einer anderen Übung durchbrannte oder gar den Ring verließ um sich Apportel vom Rand zu holen. Ich musste ihn schon zu Beginn der Prüfung ständig streng unter Kontrolle halten, dieser Druck führte zu noch mehr Bellen, noch mehr Druck bei mir: Ein Teufelskreis. Schließlich bellte er sogar in den Gruppenübungen!
Vorher Stress durch Beschäftigung abzubauen (lange Spaziergänge, Spiele etc.) hat auch gar keinen Einfluss auf die Prüfung selbst. Im Gegenteil es stellt sich heraus, dass er am ruhigsten ist, wenn man ihn er kurz vor der Prüfung aus dem Auto holt (wahrscheinlich puschen Spielen und Einlaufen vor dem Ring den Hormonhaushalt erst so richtig hoch).
 

Wenn man nicht mehr weiter weiß...

...fragt man Experten: Hatte bei uns nicht geholfen


...liest man gute Ratgeber: Hatte bei uns nicht geholfen


...fragt man Außenstehende, die das Problem sehen: Nun dies ist wohl der schwierigste Punkt: Man muss sich Fehler zugestehen lassen. Irgendwie möchte man aber keine Fehler wahr haben. Die anderen kennen den eigenen Hund doch gar nicht und wollen in den paar Minuten, die sie ihn im Ring sehen, alles erkannt haben.
 

Doch ich bin über meine Schatten gesprungen und habe mir die Meinungen angehört. Es gab im Wesentlichen 3:
 

1.    Dass ist dein Prüfungsstress. Wenn du nur ruhiger wärst, würde alles super einfach sein und gut klappen. Du verlangst zu viel von deinem Hund.


2.    Durch den aufgebauten Stress möchte es der Hund besonders gut machen, weiß aber nicht wohin er seine Energie sinnvoll stecken soll.


3.    Dein Hund ist frech. Er möchte nur sein Ding auf der Prüfung abziehen und dich links liegen lassen.
 

Meine Schlüsse


Nach langen Überlegung denke ich, dass an allen Punkten etwas Wahres dran ist:
1.    Ich denke nicht, dass zu viel verlange. Zack kann super Übungen zeigen und auch andere Hundeführer sind ehrgeizig ohne dass es den Hunden schadet. Sicher ist aber, dass Zack in der Prüfung gestresst ist und ich ihm nicht helfen kann. Ich denke, er weiß gar nicht, dass die Töne sein größter Fehler sind und dass ich deswegen so viel Druck mache!


2.    Ich habe Zack noch nicht klar, schwarz/ weiß, vermitteln können, was ich in der Prüfung wirklich will. Er weiß nicht wohin mit seinem enormen Arbeitseifer.


3.    Sicher habe ich mit Zack auch ein Stärkeproblem. Im Alltag ist er der folgsamste Hund, hört auf Spaziergängen besser als Luke! Aber im Training nimmt er sich doch so manche Kleinigkeit heraus, z.B. wenn er auf den Platz stürmen will, mit der Belohnungsbeute nicht sofort zurückkommt oder bei Apportieren nicht ganz sofort einparkt und auch noch leise grummelt. Er wird nie böse oder beuteaggressiv aber mit kleinen, lustig anmutenden Gesten, holt er sich doch so manchen kleinen Sieg. Das Problem ist, dass verbales Zurechtweisen oft zu Tönen auf seiner Seite führt und damit bleibt die Suche nach Alternativen. Wobei ich körperliche Strafen soweit wie möglich vermeiden möchte.
 

Was alles NICHT geholfen hat

... lange Spaziergänge


... vor dem Ring Stress durch Spiel, Einlaufen oder Massagen abbauen


... vor dem Ring gar nichts machen


... dem Hund lange vorher den Ring (mit Kommando ‚Schau‘) zeigen, damit er nichts Neues mehr sieht


... Nicht mehr Spielen und/ oder Füttern im Training (Hund soll auf der Prüfung keine falsche Erwartungshaltung haben)


... meine Nervosität runter schrauben: Wenn es hauptsächlich daran läge, dürfte es bei Vorführungen und im Training nicht auftauchen. Meine bisherigen Hunde zeigten bei diesen Situationen gar keine Prüfungsallüren!
 

Mein Plan

1. Schritt

Ich brauch ein klares Abbruchsignal, wenn Zack bellt. Meine Stimme kommt nicht in Fragen, auch ein früher mal praktiziertes Rückwärtsgehen oder Platz kommt nicht in Frage, da er sonst diese auch normal vorkommenden Übungen als Strafe sieht. (In der Vergangenheit hat er dann oft beim Rückwärtsgehen oder Platzmache gebellt!). Die Leine möchte ich auch nicht anwenden, da zum Einem dem Hund genau klar ist, wann er angeleint ist und wann nicht und zum anderen, besteht beim Leinenruck ja auch immer ein Verletzungsgefahr im Hals- und Nackenbereich. Ich habe mich für eine Wasserpistole entschieden, da Zack nicht ein so großer Wasserfreund ist. Erste Versuche zeigen sich sehr vielversprechend: Das Ganze wirkt auch auf eine gewisse Entfernung (gut wenn er mit der Beute nicht kommen will) und ich kann eine kleine Pistole gut auf der rechten Seite meiner Weste verstecken und hervorholen. Auch einer Hilfsperson könnte man dieses Hilfsmittel gut geben, wenn Zack z.B. unbedingt die Apportel vom ‚Steward‘ haben will.


2. Schritt

Alleiniges Training zuhause: Zack im Training durch starkes Lob und Freudenausbrüche zum Bellen verführen und dann mit dem Abbruchsignal das Bellen sofort stoppen. Das Spiel bei Stille sofort weiterführen.

3. Schritt

Training mit ‚Steward‘ auf dem Platz: Der Steward läuft vor uns, und ich versuche Zack gut bei mir zu halten. In der zweiten Stufe auch mal einen anderen Weg als der Steward zu gehen. Steward und ich sind mit der Wasserpistole bewaffnet.

4. Schritt

Ziel ist es, die ‚Belastung‘ in so kleinen Schritten zu steigern, dass ich jeweils ohne großen Kampfeinsatz und auf alle Fälle ohne laute Stimme gewinne. Ich muss Zack so souverän führen können, dass wir an jeder Versuchung ganz easy vorbei gehen, um dann entspannt zu dem wirklich Schönen zu gelangen: Den echten PO-Übungen.
 

Erster Kleinsterfolg

Schritt 1 und 2 haben wir jetzt schon ein paar Tage erfolgreich erprobt und es zeigten sich dieses Wochenende auf der Prüfung schon erste Kleinsterfolge:
Hatte er sich noch vor 3 Wochen in das Metallapportel verbissen und vor einer Woche die Holzhantel nicht mehr abgeben wollen, so hat er letzten Sonntag, ohne Töne apportiert, sofort auf Kommando hin ausgelassen und hat ganz lieb den Popo nach der Abgabe auf dem Boden gelassen.
Gut, der eine andere Beller war noch dabei, aber schon weniger. Auch bei den Gruppenübungen hat er gebellt, aber seine Position gehalten.
Jetzt heißt es bei Schritt 1 und 2 dran bleiben und Schritt 3 und 4 müssen noch erarbeitet werden. Und dann heißt es viel Prüfungen laufen, mit nicht zu großer Erwartungshaltung. Denn ich denke, dieses Problem können wir vollständig nur in der Prüfung bewältigen!

Fazit


Ganz sicher ist das Bellen ein Stressresultat. Aber ich glaube der Hauptauslöser ist nicht meine „Prüfungsangst“. Vielmehr hat Zack aus Frust (fehlende Bestätigung, Warten) angefangen zu Bellen und ich hatte in der Prüfung keinen Lösungsansatz außer selber laut werden und Druck und verstärkte Kontrolle auf zu bauen. Dies hat Zack vermittelt, dass wirklich Stress ist und er hat mit noch mehr Aktion reagiert. Jetzt müssen wir so souverän werden, dass es in der Prüfung keine Kämpfe sondern Kooperation gibt.
 

Zuletzt geändert am: Jun 09 2014 um 6:53 PM

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