Seminar-Erfahrungen

Schon seit meinen Hundesportanfängen besuche ich immer wieder Seminare. Ich finde dies aus mehreren Gründen sehr wichtig:

1) Man übt meistens alleine. Im Verein sind auch immer die gleichen Leute, die einem helfen. So dreht man sich oft mit seinen Problemen im Kreis. Bei einem Seminar schaut jemand ganz Fremdes mal über Alles. Auch spielen hier persönliche Gefühle, wie sie manchmal in Trainingsgruppen auftauchen, keine Rolle.
 

2) Man lernt unter den Seminarleitern verschiedene Persönlichkeiten kennen, manche sind Vorbild und andere eher das Gegenteil. Dies kann einem helfen für sich selbst einen klaren Standpunkt zu entwickeln.
 

3) Bei jedem Seminar bleibt ein zentraler Leitsatz hängen. An diesen kann man sich auch noch Jahre später erinnern. Das hilft einem immer wieder klare Ziele zu definieren.
 

Ich vermeide es aber auch, zu viele Seminare zu besuchen. Man muss ja erst mal einen Weg eine Zeit lang ausprobieren, um ihn dann zu favorisieren oder zu verwerfen. Viele Trainingswege brauchen einige Zeit, um zum Erfolg zu führen. Wenn man, aufgrund zu vieler, dicht aufeinander folgender Seminare, ständig die Trainingsart ändert, wird das den Hund und auch uns selbst verunsichern. Jede Theorie kann nur mit viel Praxis ganz zu einem Teil von uns werden. Nur dann können wir diese Trainingsart ohne Nachdenken ausüben und sind auch für den Hund überzeugend.

Im Nachfolgenden habe ich die wichtigsten Seminare aufgelistet, die ich besucht habe.

Emiel Vervoort
Ekard Lind
Angela White
Angela Schmid
Emilie Prytz
John Eklöf
Christa Enqvist
Friedrich Suhr
Maren Teien

Emiel Vervoort (Belgien) – Mitter der 1990ziger

Eigentlich ein Agility-Seminar

Leitsatz: Es geht auch nur mit Körpersprache.

Natürlich kann man Agiliy und Obedience nicht miteinander vergleichen. Aber mir ist von diesem Seminar eine Trainingseinheit in Erinnnerung geblieben, wo wir die Hunde nur mit Körper und ganz ohne Worte durch den Parcours lenken mussten. Es war erstaunlich, wie gut das klappte, oft besser als mit Worten. Die Lösung war, dass wir ohne Worte viel bewusster unseren Körper einsetzten. Auch im Obedience gilt das. Früher habe ich sehr viel mit dem Hund gesprochen. Jede Übung erklärt, für jede Situation gab es ein extra Kommando. Heute benutze ich nur ganz wenig verschiedene Kommandos und setze meine Körperhaltung und Körperspannung sehr bewusst ein. Der Hund konzentriert sich dann viel besser und wir sind klarer für ihn zu lesen.

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Ekard Lind (Österreich) – Ende der 1990ziger

Über das richtige Motivieren

Leitsatz: Das Spiel selbst wird zur Übung

Über Ekard Lind lässt sich viel diskutieren. Er ist sicher in einigen Punkten sehr umstritten. Gefallen hat mir allerdings, sein Etikansatz im Hundesport: Der Hund soll echter Partner sein und auch Spaß an der Arbeit haben. Richtig ist sicher auch der Gedanke, dass man immer die Waage halten muss zwischen den Zuständen ‚Hund hat die Oberhand‘ und ‚Mensch unterdrück Hund völlig‘.

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Angela White (England) – Anfang der 2000der

1. Live-Kontakt mit englischem Obedience

Leitsatz: Jede Übung in ganz kleine Stücke zerlegen und diese sehr präzise üben.

Ich hatte ein Buch von ihr gelesen und war so sehr gespannt auf eine Seminarleiterin aus dem Obedience-Ursprungsland. Leider gab es bei dem Seminar für mich nicht so viel Neues wie erwartet.

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Angela Schmid (Schweiz) – Anfang der 2000der

Zum ersten Mal richtig etwas über die Obedience-Klasse 3 erfahren

Leitsatz: Alle Dinge, die der Hund später können soll, schon in den Jugendtagen anlegen.

Angela erzählte und von ihren Erfahrungen mit skandinavischen Trainern. Dort werden die Hunde von Anfang an auf die höchste Klasse hin ausgebildet. Alle Dinge, die sie dort brauchen, werden in den ersten Lebensmonaten zumindest angelegt. Dies kann man vielen Hundesportlern in Hinblick auf die Such- und die Abstoppübung gar nicht oft genug sagen!

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Emilie Prytz (Norwegen) - 2004

Obedience-Weltmeisterin 2000 mit dem Pudel Laddie

Leitsatz: Wenigstens eine Million mal!

Emilie zeigte uns, wie sehr man Übungen in Stücke teilen muss und dann jedes dieser Stücke mindestens eine Million mal wiederholen muss bis es beim Hund richtig sitzt. Da mag einem zunächst übertrieben vorkommen, aber man bedenke wie oft andere Sportler kleinste Bewegungsabläufe bis zur Perfektion üben. Man denke an ...
... Schwimmer im Strömungskanal
... Skispringer bei Hebeübungen
... Radfahrer beim Erlernen des perfekten Trittes
... Tennisspieler beim Üben mit der Ballmaschine usw.

Eine schöne Zusammenfassung des Seminars lieferte Birgit Funk in einem Artikel für die Agility-Welt.

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John Eklöf (Schweden) – 2006

Obedience-Weltmeister 2002 mit Border Collie Loy

Leitsatz: Sehr ernsthaft und immer konzentriert arbeiten

Ich hatte 2002 live gesehen, wie John mit Loy Weltmeister wurde und war von der Ausstrahlung des Teams begeistert. Loy war ein wirklich hoch motivierter Hund und nur ein kleinster Zucker von John an der falschen Stelle hätte ihn zur Explosion gebracht. Überzeugt hat mich die Ruhe und absolute Führung mit der John seinen Hund durch die Prüfung brachte. Dieser Eindruck hat sich mir auch in dem Seminar bestätigt.

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Christa Enqvist (Finnland) – 2010

International sehr erfolgreiche finnische Obedience-Sportlerin

Leitsatz 1: Immer ganz schwarz-weiß arbeiten

Leitsatz 2: Die Grundstellung ist das Wichtigste an der Fußarbeit

Für Christa ist es sehr wichtig, dass man ganz klar mit dem Hund ist, ihn eindeutig lobt und tadelt (Schwarz-Weiß). Sie arbeitet sehr konsequent, insbesondere in der Fußarbeit an der Grundstellung. Wenn diese nicht sitzt, weiß der Hund nicht genau seine Position und kann auch keine gute Fußarbeit in der Bewegung zeigen. Ich habe dies bei meinem jungen Hund mit Erfolg eingesetzt und auch bei Luke bringt es viel immer, wieder auf exakte Grundstellung zu bestehen.

Viel Wert legt Christa auch darauf, keine Langeweile beim Hund aufkommen zu lassen. Alle Übungsteile können miteinander kombiniert werden, z.B. Distanzkontrolle in der Box! Und für die Box in der Klasse 3 immer wieder den Hund zwischen Halbschale und Box hin- und herschicken. Dabei immer überraschend belohnen. Abrufen mit Stop wird beim Schicken um eine Halbschale geübt.

Sehr triebige Hunde 'faltet' Christa nicht zusammen, um sie arbeitsfähing zu machen. Sie läßt ihnen viel Raum, sich im Spiel (Ball) auszutoben und so entstanden Stress abzubauen und nicht weiter aufzustauen.

Schöne Bilder von dem Seminar: Homepage Mariazell

Video auf dem man den Grundstellungsgrundsatz sehr gut erkennen kann: Sabine Witfeld mit Silver

Video, wo man schön das exakte Training der Boxmitte sieht: Imke Niewöhner mit Na'vii

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Friedrich J. Suhr – März 2012

Stressmanagement und Mentaltraining im Hundesport

Leitsatz: Öfter mal positiv formulieren.

Erwartet hatte ich eine Hundeseminar, bekommen habe ich eine Persönlichkeitsbildung. Ich habe gelernt, wieviel Stress ich schon im Alltag habe und wie sich das auch auf die Leistung im Hundesport auswirkt.

Im 1. Teil (Stressmanagement) lernt man seinen eigenen Stress zu erkennen und bekommt Hilfen, den Stresspegel insgesamt niedriger zu halten.

Im 2. Teil (Mentaltraining) wird der 1. Teil noch mal vertieft. Man lernt die eigenen Stärken neu zu entdecken und daraus Kraft für die Prüfungen zu schöpfen. Praktische Übungen zur Zielfindung und Entspannung runde das Ganze ab.

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Maren Teien (Norwegen) - July 2012

Obedience-Weltmeisterin 2011

Leitsatz: Dem Hund und sich immer wieder eine neue Chance geben.

Ein unvergessliches Seminar über Übungsaufbau und Prüfungstraining. Mehr im Blog...

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