Obedience

WM Mannschaft 2003

Deutsches WM-Team 2003 in Dortmund

Einführung
Die Übungen
Warum sollte man Obedience machen? (und warum nicht)

Einführung

Obedience bedeutet Gehorsam und ist ursprünglich ein Hundesport aus England, der dort wettkampfmäßig sehr professionell betrieben wird.
Vor einigen Jahrzehnten schwappte es dann auf andere europäische Länder über. Eine besonders lange Tradition haben die Niederlande und die skandinavischen Länder.
Seit 2004 gibt es auch in Deutschland eine nationale Prüfungsordnung (PO). Für die höchste Prüfungsstufe, Klasse 3, gibt es eine internationale PO, die allerdings nicht in England gilt. Das englische Obedience unterscheidet sich in den Übungen und der Beurteilung z.T. ganz erheblich von dem kontinentalen.

Immer wieder hört man, Obedience sei so abwechlungsreich, da sich die Übungen von Prüfung zu Prüfung stets ändern. Das ist aber nur zum Teil der Fall. Die Ausführung der Übungen ist sehr exakt vorgeschrieben. Nur die örtliche Lage der einzelnen Übungen unterscheidet sich. Das beinhaltet z.B. die Startpositionen für die einzelnen Übungen und auch, wann welche Winkel in der Fußarbeit gezeigt werden. Damit der Prüfling trotzdem immer weiß, wo es lang geht, steht ihm ein Steward zur Seite, der entsprechende Anweisungen gibt. Der Hundeführer darf immer nur auf Anweisung arbeiten. Dies ist mit arbeitseifrigen Hunden gar nicht so einfach. Arbeitet ein Hund aber zu früh, d.h. bevor der Steward das Kommando freigegeben hat, so gibt es z.T. kräftigen Punktabzug.

Im Folgenden wird ein Überblick über die Übungen der deutschen und internationlen (kontinentalen) PO gegeben. Die gesamte PO kann man auf den Seiten des DVG nachlesen (DVG/Obedience)

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Die Übungen

In Deutschland gibt es die Klassen:

Beginner (nur national)

International (FCI)

Klasse 1

Klasse 2

Klasse 3

Ablage, Absitzen in der Gruppe

Je nach Klasse müssen die Hunde in einer Hundegruppe einige Minuten abliegen oder sitzen. In den höheren Klassen ist dabei der Hundführer außer Sicht.

Verhalten gegenüber anderen Hunden

Nur in Beginner-Klasse

Einige Hunde sitzen neben ihrem Menschen in einer Reihe. Nach der Reihe wird je ein Hund im "Fuß" um die anderen herum geführt. Alle sollen sich neutral verhalten, insbesondere ohne Aggressionen, zeigen.

Stehen und Betasten

Nur in Beginner-Klasse

Der Hund wird per Kommando ins Steh gebracht und muss sich in dieser Position ruhig vom Steward abtasten lassen.

Fußarbeit

In den unteren Klassen muss der Hund eine Leinenführigkeit und eine Freifolge (Fußarbeit ohne Leine) zeigen. In den höheren Klassen wird nur noch die Freifolge gezeigt. Das Team Hund-Mensch wird dabei von einem Steward gelenkt. Dieser gibt rechts, links, kehrt, langsamer Schritt, Laufschritt usw. vor.

Steh, Sitz, Platz aus der Bewegung

Je nach Klasse muss der Hund aus der Fußarbeit heraus auf Kommando stehen bleiben, sich setzen oder hinlegen.

Abrufen

Aus dem Platz heraus wird der Hund herangerufen. In den höheren Klassen wird er dabei nach einem Teil der Strecke gestoppt und dann erneut abgerufen. Der Hund sollte schnell heran kommen und die Stopps möglichst sofort ausführen.

Senden zur Box

Je nach Klasse wird der Hund aus unterschiedlicher Entfernung in eine Box aus vier Kegeln geschickt. Dort soll er sich hinlegen. In der Klasse 3 muss er zuvor 10 m geradeaus laufen und wird dann nach rechts oder links in die Box geschickt. Nach dem Platz muss er auf Zuruf zu seinem sich marschierenden Menschen ins Fuß kommen.

Apportieren

Je nach Klasse wird eine Holz- oder Metallhantel apportiert. Der Apport kann auf ebener Erde oder über eine Hürde erfolgen. In der Klasse 3 muss der Hund aus 3 ausgelegten Hanteln eine zuvor bestimmte zurückbringen.

Identifizieren

Aus mehreren Holzstäben (10 cm lang) muss der Hund denjenigen herausfinden, den sein Mensch zuvor einige Sekunden in Hand hatte.

Distanzkontrolle

In einer Entfernung von bis zu 15 m muss der Hund auf Hand- und/oder Hörzeichen verschiedene Positionen einnehmen (Platz/ Sitz/ Steh). Dabei sollte er möglichst auf der Stelle bleiben. Die Art und Anzahl der Positionswechsel variiert mit der Klasse und von Prüfung zu Prüfung.

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Warum sollte man Obedience machen?
(und warum nicht)

Leider ist es auch heute immer noch so, dass viele nicht zum Obedience kommen aus Überzeugung, sondern weil ihr Hund ein Handicap hat. Der eine ist einfach zu alt für seinen bisherigen Sport und der andere hat HD oder ähnliches. Letztendlich bin auch ich zum Obedience gekommen, weil ich Agility für Samroys Bänderschwäche zu riskant fand. Allerdings hatte dies auch Auswirkungen auf unser Obedience-Training: Ich konnte Samroy nur bandagiert laufen lassen (ist heute in der Prüfung nicht mehr erlaubt!) und so manche Übung konnte ich nicht in allerletzter Konsequenz trainieren. Grundsätzlich gilt, dass der Hund auch für Obedience physisch so gesund wie möglich sein sollte. Es sind viele Übungen mit Tempo und plötzlichen Stopps dabei. Und man denke an die vielen Grundstellungen und schnellen Platzs, die verlangt werden. Hat man einen Hund mit Handicap muss man sich ernsthaft fragen, ob man ihm das zumuten darf. Anders als Menschen lassen sich Hunde Schmerz kaum anmerken. Wenn man klar eine Lahmheit sieht, ist es oft schon zu spät!

Erst mit alten Hunden Obedience anzufangen, weil man sie woanders ausrangiert, ist auch wirklich schade. Verpasst man die Grundsteinlegung der Übungen in den ersten Lebensmonaten sind viele Dinge nur noch sehr schwer oder gar nicht mehr zu erlernen.

Und jetzt ein paar Gründe, warum Obedience ein so toller Hundesport ist:

1) Obedience ist nicht so ruhig, wie es oft erscheint: Man kann es mit viel Leidenschaft ausführen. Dann werden auch die Zuschauer mitgerissen.

2) Die Übungen schulen die Führigkeit des Hundes: Im Alltag hat man kaum noch Probleme.

3) Obedience ist Gymnastik für die Hunde: Es schult die Bewegungen (z.B. Rückwärst gehen) und stärkt das Herz (Unterschiedlichste Tierärzte sind immer begeistert von Samroys Herz, aktuell 15 Jahre!)

4) Obedience ist auch Gymnastik für uns Menschen: Es verbessert deutlich die Koordinationsfähigkeit (z.B. Winkelgehen in immer der gleichen Art, punktgenaues Werfen der Hantel). Ich war als Kind ein absoluter Sportmuffel und kann jetzt einige Dinge besser als die früheren Sportskanonen!

5) Obedience fördert ganz besonders die Bindung zwischen Hund und Mensch. Dies muss man selbst erleben. Man lernt den Hund und seine Fähigkeiten und Bedürfnisse viel besser kennen.

6) Obwohl nicht mit kranken Hunde zu betreiben, ist Obedience doch schonender als viele andere Sportarten und kann oft viele Jahre mit dem Hund betrieben werden.

7) Obedience hält den Hund geistig fit: Oft sehe ich das normale Familienhunde schon mit 6 Jahren nur noch langsam auf ihren Gassirunden daher trotten. Meine Hunde sind auch im Alter immer noch sehr rege.

8) Wird Obedience mit viel positiver Verstärkung vermittelt, fördert es das Selbstvertrauen beim Hund. Und ein selbstsicherer Hund kann viel entspannter durchs Leben gehen. 

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