Erbkrankheiten und Gentests

Die meisten vererbbaren Eigenschaften werden durch mehrere Gene verursacht (Polygenie). Sie sind daher züchterisch nur schwer in den Griff zu bekommen. Ein gutes Beispiel hierfür ist die HD. Schon viele Jahre bekannt, aber noch immer nicht aus unseren Zuchten verbannt. Erschwerend kommt hinzu, dass auch Umwelteinflüsse eine Rolle bei der Ausprägung des Krankheitsbildes spielen können. Außerdem wird der Grad der HD von einem Menschen optisch beurteilt. Auch hier ist eine 100% sichere Beurteilung unmöglich. Bisher oft ebenfalls nur optisch beurteilt wurde die CEA. Doch auch die optische Augenhintergrunduntersuchung ist nicht ganz objektiv. So wurde mein Sheltie als Welpe frei gesprochen. Eine Nachuntersuchung mit 9 Jahren ergab aber schwere Colobome auf der Netzhaut, die sich bei einem freien Welpen nicht hätten entwickeln dürfen.
Seit einiger Zeit gibt es nun für bestimmte Krankheiten rasse-spezifische Gentests. Geht man nun einmal nicht von einer Vertauschung des Probenmaterials aus, so sind diese Test absolut objektiv. Und das macht sie besonders aussagekräftig!
Die mir bisher bekannten Test sind alle für rezessive Erbgänge, d.h. die Krankheiten treten nur auf, wenn ein Individuum zwei defekte Gene hat. Dies kann nur dann der Fall sein, wenn es die kranken Gene sowohl vom Vater als auch von der Mutter geerbt hat. Verpaart man also einen Träger (hat ein krankes und ein gesundes Gen) mit einem freien Tier (hat 2 gesunde Gene), so sind alle Nachkommen entweder frei oder Träger. Keiner der Nachkommen zeigt das Erscheinungsbild der Krankheit.
Nun könnte man sagen: Na, um auch in Zukunft immer sicher zu sein, verpaaren wir nur noch freie Tiere. Dabei muss man aber den oft engen Genpool unserer Rassehunde bedenken. Die Genvielfalt einer Rasse wird immer enger, wenn man viele Exemplare von der Zucht ausschließt. Und wenn man bedenkt, wie wenige Krankheiten wir bisher genetisch testen können, könnte man sich durch diese Genpoolverkleinerung wieder andere, bisher nicht betrachtete negative Eigenschaften verstärkt in die Zucht holen.
Die große Chance der Gentests ist es nicht, möglichst viele Hunde von der Zucht auszuschließen, sondern sie so einzusetzen, dass weniger kranken Hunde geboren werden. Der Genpool muss groß gehalten werden. Nur so haben wir auch später (nach vielen Generationen) noch genug unterschiedliches Genmaterial, um auf neue Erkenntnisse, vielleicht auch im Hinblick auf Epilepsie, reagieren zu können.
Wir sollten in der modernen Hundezucht  auf so viele Dinge achten: Gesundheit, Fitness, Belastbarkeit, Wesen und vielleicht auf ein wenig auf Aussehen. Es wäre vermessen zu denken, ein paar Gentests könnten uns da viel Arbeit bei der Auswahl abnehmen! Aber sie unterstützen uns dabei, den Zufall etwas mehr einzugrenzen.
Ein paar schöne Erklärungen zur Genetik findet ihr hier!

 

Mehr Informationen zu den beim Border-Collie testbaren Krankheiten:

MDR1-Defekt
CEA
CL
TNS

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